Interessante Galerien

Design, Foto, Concept Art... Eine neue Generation von Galeristen beschreitet neue Wege. Wir stellen vor:

R. Dupeyrat und N. Calmettes (Artisan social designer)

Kuriositätenkabinett
Rémi Dupeyrat und Naïs Calmettes sind die „Artisan Social Designer". Ihr Ziel ist, das Objekt zu ‚re-humanisieren'. „In unserem Concept Store engagieren wir uns für handwerkliche Arbeit, Öko-Design und eine neue Art des Konsums von Objekten." Ihre Galerie ganz in der Nähe des Musée des Arts et Métiers könnte man als modernes Kuriositätenkabinett bezeichnen. Wo sonst findet man einen Salztisch oder einen Heizkörper-Sessel neben einem Kleiderständer aus Seil, schöner Kleidung aus Bio-Baumwolle, Fotos von Gilles Uzan und Kunstbüchern? „Alle diese Objekte wurden aus einer Sehnsucht geschaffen", erklärt Rémi. „Wir möchten diese Sehnsucht der Kreativen achten." Und wie geht es dabei unserem Geldbeutel? „Handwerkliches Design ist zum selben Preis erhältlich wie Industriedesign." Punkt!
68, rue des Gravilliers, Paris 3 (artisansocialdesigner.fr).}}


Tristan Pannier und Alaric Miaume (Specimen)

Die Premium-Generation
Tristan Pannier (28) und Alaric Miaume (26) sind jung und ehrgeizig. Gleich nach dem Studium eröffneten sie 2010 ihre Design-Galerie Specimen. „Auch wenn wir die Designer unserer Generation vorstellen, wollen wir eine Premium-Positionierung beibehalten. Unsere Idee ist, die Schönheit des Objekts in den Vordergrund zu stellen." Ihr Katalog ist poetisch und überraschend, genauso wie die Möbel des japanischen Designers Oki Sato, die sie zurzeit in der Galerie Pierre-Alain Challier (8, rue Debelleyme, Paris 3. Arrond.) ausstellen. Hier hängt jedes Ausstellungsstück von dem Objekt ab, für das es geschaffen wurde: „Ohne Bücher ist dieses Bücherregal absolut instabil", zeigt uns Tristan Pannier. Das spielerische Ergebnis ist beeindruckend perfekt. Diese jungen Galeristen sollte man im Auge behalten!
specimen-editions.fr


Jocelyn Wolff (Galerie Jocelyn Wolff)

Deutsche Kunst im 20. Arrondissement
Jocelyn Wolff ist ein Wegbereiter. Der Galerist war der erste, der vor zehn Jahren die zeitgenössische junge deutsche Szene in Frankreich ausstellte. In einer kleinen Galerie des 20. Arrondissements, weitab der angestammten schicken Stadtviertel der Kunstszene, gibt Jocelyn Wolff zu, sein Geschäft mit lächerlich geringen Mitteln angefangen zu haben. Doch auch mit wenig Geld trifft er ins Schwarze. Mit plastischen und visuellen Künstlern wie Clemens von Wedemeyer oder Christoph Weber aus dem Bereich der Concept Art, erweist sich Wolff als anspruchsvoller Galerist mit einer glücklichen Hand. Heute gehört die deutsche Kunst zu den begehrtesten Kunstangeboten der Welt und die Künstler von Jocelyn Wolff genießen die Anerkennung der internationalen Kritik. Die großen Sammler hatten recht, als sie die ausgetretenen Pfade verließen, um ihr Glück in den Arbeitervierteln auf den Anhöhen von Paris zu suchen.
78, rue Julien-Lacroix, Paris 20. Arrond (galeriewolff.com).


Guillauche Foucher und Frédéric Biousse (La galerie particulière)

Besondere Partner
Im Viertel des Haut-Marais eröffneten Frédéric Biousse, der ehemalige Geschäftsführer des Modelabels Comptoirs des Cotonniers, und der Kunsthistoriker Guillaume Foucher mit der „galerie particulière" eine ganz besondere Galerie. „Wir hatten es einfach satt, den Geist von Marcel Duchamp durch alle Kunstgalerien spuken zu sehen. Wir wünschten uns mehr Schlichtheit." In ihrem Ausstellungsprogramm mit dem Schwerpunkt auf Fotografie findet man die Arbeit von Künstlern, die in Frankreich nicht oder wenig bekannt, im Ausland jedoch anerkannt sind, wie der Südkoreaner Byung-Hun Min, der Amerikaner David Hilliard oder der Deutsche Michael Wolf. Die ausgestellten Werke thematisieren häufig die Frage der Identität. Das Ergebnis ist umso überzeugender, als der Zugang zu den Werken erleichtert wird: Die Wände sind grau gestrichen „um die Reflexion von Weiß zu vermeiden" und die Besucher werden von sanfter Musik begleitet. Die Galerie läuft inzwischen so gut, dass das Duo bald eine zweite eröffnen wird.
16, rue Perche,Paris 3. Arrond. (lagalerieparticuliere.com).


François Piron und Thomas Boutoux (Castillo/Corrales)

Die Kunst der Reflexion
Gleich neben der Galerie Jocelyn Wolff taufte ein Kollektiv von Kunstkritikern seine Galerie auf den Namen Castillo/Corrales. Hier gibt es keine Spekulation, nur Reflexion. Dank ihres kritischen Talents gelingt es den Gründern der Galerie, François Piron und Thomas Boutoux, die Kunst von heute zu hinterfragen. So präsentierten sie mit Fotos, Scripts oder Plakaten den Parcours von Kathryn Bigelow, der ehemaligen Underground-Künstlerin und ersten Regisseurin, die mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Ihre neue Ausstellung lädt ein zu einer Reflexion über einen wenig bekannten Bereich, der jedoch vor Vitalität nur so strotzt: den Verkauf von Künstlerbüchern. Diese von Künstlern geschaffenen Werke haben die Besonderheit, durchaus erschwinglich zu sein. Eine Rarität auf dem Markt!
80, rue Julien-Lacroix, Paris 20. Arrond. (castillocorrales.fr).

Text: Julie Brown
Fotos: Olivier Roux